Vor ein paar Tagen laufen mein australischer Mitbewohner und ich den „Малый Проспект“ entlang. Auf einmal hören wir aufgeregte Rufe: „Shane, Birgit wait!“ Unsere Vermieterin fuchtelt wild mit den Armen und will, dass wir ihr unbedingt folgen. Sie hat uns zufällig gesehen. Sie schiebt uns schnurstracks 
in ein Café, lotst uns um die Ecke herum an einen Tisch mit einer Flasche Cognac und 3 Leuten: einer russischen Journalistin, einer Universitätsprofessorin und einem vollbärtigen Mann, dem Urenkel Dostojewskijs! In meinem Kopf beginne ich zu rechnen, überschlage das Alter, versuche mich zu erinnern, wann genau der berühmte Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewskij gelebt hat. Irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts. Ja, das scheint hinzuhauen. Und dann trinken wir alle zusammen Cognac an einem Tag an dem später Zenit Petersburg gegen Real Madrid verlieren wird. Vor solchen Spielen wird vorsorglich im ganzen Viertel kein Alkohol verkauft, doch Dmitrij Dostojewskij hat es irgendwie geschafft, eine Flasche Cognac zu besorgen.
Okt 5, 2008