Vladimir sitzt in einer kleinen Wohnung in der Rubensteinstrasse, hier hat der junge Komponist seine erste Oper geschrieben. Wie fast alle Russen raucht auch er und zwar viel, aber er drückt seine Zigaretten nach der Hälfte aus, um sich kurze Zeit später wieder eine anzustecken. Er trägt Chucks und einen Kapuzenpulli und erzählt fast atemlos von seiner Oper. Es ist die Geschichte „Heinrich Blaubart“ von Dea Loher. “Kennst Du?” fragt er unverhofft, ohne die Antwort abzuwarten. kantateWie im Originalstück werde auch in seiner Oper nur die Blinde am Ende überleben. Er erzählt von Liebe und Nicht-Liebe, von Einsamkeit, vielen Gefühlen von Personen, die sich gegenseitig an- und abstoßen. „Atomisiert“, nennt er sie. Am Liebsten hätte er seiner Oper den Namen „Vakuum“ gegeben, doch das wollte Dea Loher nicht. Noch im Erzählen packt Vladimir seine Noten zusammen, leert den überfüllten Aschenbecher aus und nimmt seine Tasche. Er müsse jetzt ans Konservatoium unterrichten, später zur Solistenprobe seiner Oper und dann noch einen Artikel für den „Kommersant“ schreiben. Viel Zeit hat er nicht. Wie die meisten Petersburger hat auch er mehrere Jobs, um sich irgendwie über Wasser zu halten.