An jeder Ecke gibt es sie: 24-Stunden-Shops. Kleine Läden in denen man alles kaufen kann, vor allem Alkohol und Zigaretten. Zu zwei Dritteln bestehen diese Shops aus Regalen mit bunten, hochprozentigen Flaschen. Da es unzählige dieser kleinen Läden gibt, möchte man meinen, die Konkurrenz sei groß und alles erdenklich Mögliche müsste für die Kundenzufriedenheit getan werden. „Kundenzufriedenheit“ ist genauso
wie das Wort „Dienstleistungsgesellschaft“ aber irgendwie einfach zu deutsch. Ich bezweifel auch, dass es überhaupt Übersetzungen ins Russische gibt. Jedenfalls will ich in einem dieser kleinen Shops eigentlich nur ein paar Kaugummis kaufen. Der Laden ist leer. Die Verkäuferin feilt ihre Nägel. Sie sieht mich reinkommen, guckt kurz hoch, antwortet auf mein Grüßen nicht. Ich stehe vor dem Kaugummiregal, habe schon längst meine Sorte ausgewählt und beginne Kleingeld zu suchen, panisch taste ich alle Jackentaschen ab, ob sich nicht doch noch irgendwo ein paar Rubel versteckt haben. Nein. Ich werde nicht passend zahlen können. Ich male mir den strafenden Blick jetzt schon aus, obwohl die Verkäuferin noch nicht einmal überhaupt daran zu denken scheint, mich auch nur fragen zu wollen, was ich möchte. Ich beginne etwas unruhig auf der Stelle herumzutreten, sage „Entschuldigen Sie“, was die Sache mit den Nägeln aber so gar nicht beschleunigt. Ich sehe ein, ich muss mich gedulden, schließlich werde ich sie gleich noch bemühen müssen, mir passendes Rückgeld zu geben.
Okt 28, 2008
Erst die Nägel, dann meine Kaugummis
Posted by Birgit under Eigenarten | Schlagworte: 24-Stunden-Shops, Dienstleistungsgesellschaft, Kundenzufriedenheit |Leave a Comment